Let’sDrink
Trinkt meine Katze unterwegs? Was auf Reisen und an der Leine hilft
Für wen dieser Text gilt
Die meisten Katzen gehen nicht spazieren, und das soll hier auch niemand behaupten. Der grösste Teil aller Katzen verlässt die Wohnung entweder gar nicht oder streift allein durchs Quartier, wo niemand ihnen Wasser hinstellen muss.
Es bleiben trotzdem Situationen, in denen die Frage sehr praktisch wird: die Fahrt zur Tierärztin, ein Umzug, die längere Autoreise in die Ferien, der Aufenthalt in einer fremden Wohnung, die Katze im Wohnmobil, der Transport im Zug. Und ja, es gibt Katzen, die an Geschirr und Leine mitlaufen, aber das ist eine Minderheit und dieser Text tut nicht so, als wäre es der Normalfall.
Katzen trinken anders als Hunde
Katzen stammen von Wüstentieren ab und haben einen schwach ausgeprägten Durstantrieb. Sie decken einen grossen Teil ihres Bedarfs über die Nahrung, wenn sie Nassfutter oder Frischfleisch bekommen. Eine Katze, die Nassfutter frisst, kann fast unsichtbar wenig aus dem Napf trinken und trotzdem gut versorgt sein. Eine Katze mit reinem Trockenfutter muss die Menge dagegen komplett übers Trinken hereinholen.
Als Faustregel wird ein Tagesbedarf von ungefähr 45 bis 60 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht genannt, Futteranteil eingerechnet. Für eine Katze von vier Kilogramm liegt man damit grob bei 180 bis 240 Millilitern am Tag, wovon bei Nassfutter ein grosser Teil bereits im Napf mit dem Futter steckt. Das ist eine Spanne zur Orientierung, keine Zielvorgabe, die du erreichen musst.
Warum viele Katzen unterwegs gar nicht trinken
Die häufigste Beobachtung auf Reisen lautet: Sie rührt das Wasser nicht an. Das liegt selten am Wasser und fast immer am Stress. Eine Katze, die sich in einer Box, in einem fahrenden Auto oder in einer fremden Umgebung befindet, schaltet in einen Zustand, in dem Fressen und Trinken schlicht keine Priorität haben. Sie duckt sich, sie beobachtet, sie wartet ab.
Für kurze Strecken bis etwa ein bis zwei Stunden ist das bei einer gesunden erwachsenen Katze in der Regel kein Problem. Sie holt es nach, sobald sie zur Ruhe kommt. Bei längeren Fahrten wird es relevanter, und dann geht es weniger darum, sie zum Trinken zu bringen, als darum, ihr die Ruhe zu geben, in der sie es von selbst tut.
Was auf Reisen tatsächlich hilft
- Ruhige Pausen an einem stillen Ort. Motor aus, Türen zu, kein Betrieb rundherum. Erst dann Wasser anbieten, nicht während der Fahrt.
- Vertrautes Gefäss. Wenn möglich den gewohnten Napf oder wenigstens ein ähnlich flaches, breites Gefäss. Viele Katzen mögen es nicht, wenn die Schnurrhaare am Rand anstossen.
- Nassfutter vor und während der Reise. Der einfachste Weg, Flüssigkeit in eine Katze zu bekommen, führt über das Futter, nicht über den Wassernapf.
- Das gewohnte Wasser mitnehmen. Manche Katzen reagieren empfindlich auf anderes Leitungswasser. Eine Flasche von zu Hause kostet nichts und schliesst diesen Grund aus.
- Die Box abdunkeln. Ein Tuch über der Transportbox senkt das Stresslevel spürbar, und eine ruhigere Katze trinkt eher.
- Nichts erzwingen. Eine Katze mit der Spritze zu tränken, ohne dass es tierärztlich angeordnet ist, macht die nächste Reise nur schlimmer.
Katzen an der Leine
Wer mit seiner Katze an Geschirr und Leine unterwegs ist, kennt das Bild: Die Runde dauert lange, aber die zurückgelegte Strecke ist kurz. Katzen bewegen sich in Etappen, mit viel Sitzen, Schauen und Riechen dazwischen. Der Wasserbedarf ist dabei deutlich kleiner als bei einem Hund, der dieselbe Zeit im Trab unterwegs ist.
Trotzdem gilt bei Wärme dasselbe wie beim Hund: Schatten, kürzere Runden, und ein Angebot zum Trinken, wenn ihr rastet. Das Angebot muss niedrig stehen. Eine Katze trinkt in einer entspannten Haltung mit gesenktem Kopf, nicht aus einem hohen Behälter, in den sie hineingreifen muss. Und sie trinkt in der Regel nur, wenn sie sich sicher fühlt, also nicht mitten auf dem Weg mit Leuten und Hunden ringsum.
Hitze und das Auto
Der wichtigste Satz zuerst: Eine Katze bleibt nie im geparkten Auto zurück, auch nicht kurz, auch nicht im Schatten, auch nicht bei angelehntem Fenster. Der Innenraum heizt sich innerhalb von Minuten auf, und Katzen können Hitze schlecht abgeben.
Anzeichen, bei denen du sofort handelst und tierärztliche Hilfe holst: Hecheln mit offenem Maul, Taumeln, auffällig gerötete oder blasse Schleimhäute, Teilnahmslosigkeit, Erbrechen. Eine hechelnde Katze ist immer ein Alarmzeichen, anders als beim Hund gehört das nicht zum normalen Bild.
Kitten, alte Katzen, kranke Katzen
Kitten dehydrieren schneller als erwachsene Tiere, weil ihre Reserven klein sind. Bei ihnen sind kurze Etappen und häufige Angebote sinnvoll.
Ältere Katzen und Katzen mit Nierenerkrankungen sind ein eigenes Thema. Bei ihnen kann sowohl auffällig vermehrtes Trinken als auch zu wenig Flüssigkeit bedeutsam sein, und die Menge, die richtig ist, legt nicht eine Faustregel fest, sondern deine Tierärztin. Wenn deine Katze zu dieser Gruppe gehört, besprich Reisen vorher kurz in der Praxis, auch wegen der Frage, ob die Reise überhaupt sein muss.
Woran du erkennst, dass es zu wenig war
- Die Katze frisst über einen längeren Zeitraum nicht und trinkt auch nach der Ankunft nicht
- Sie wirkt matt und zieht sich stärker zurück, als es die neue Umgebung erklärt
- Die Maulschleimhaut wirkt trocken statt feucht
- Das Katzenklo bleibt über auffällig lange Zeit trocken
Ein einzelner Punkt kann Stress sein. Mehrere zusammen oder ein Zustand, der auch nach der Ankunft anhält, gehören abgeklärt. Bei Katzen ist es sinnvoll, eher früher anzurufen als später, weil sie Beschwerden lange verbergen.
Kurz zusammengefasst
- Die meisten Katzen brauchen unterwegs gar nichts, weil sie gar nicht unterwegs sind
- Auf Reisen ist Stress der Hauptgrund fürs Nichttrinken, nicht das Wasser
- Faustregel Tagesbedarf: rund 45 bis 60 ml pro Kilogramm, Futter eingerechnet
- Ruhe, ein flaches Gefäss und Nassfutter wirken besser als jeder Trick
- Hechelt eine Katze, ist das ein Notfallzeichen
Wenn du auch einen Hund hast: Für ihn gelten andere Mengen und ein anderer Rhythmus, das steht auf Wie viel Wasser braucht ein Hund unterwegs? und für ganze Tagestouren auf Wandern mit Hund: Wasser mitnehmen ohne Napf im Rucksack.
Falls du ein Gefäss suchst, das flach genug ist und das du unterwegs nicht separat einpacken musst: Wir verkaufen eine Trinkflasche mit Napf mit 550 ml, bei der der Napf Teil der Flasche ist. Offene Antworten dazu findest du unter Häufige Fragen.